Berichte 2016

Lesung op platt

Woans kennt Joachim Mähl? Oder: Ein Dichter wird neu entdeckt

Volles Haus beim Joachim-Mähl-Abend mit Silke Frakstein im Bürgerhaus Niendorf Volles Haus beim Joachim-Mähl-Abend mit Silke Frakstein im Bürgerhaus Niendorf

25.11.2016 - Vergnügliches und Nachdenkliches und die Biografie des Dichters Joachim Mähl, der seine Kindheit im 19.Jahrhundert in Niendorf verbrachte: Die Zuschauer waren begeistert von Silke Fraksteins Vortragskunst. Silke Frakstein ist bekannt in der plattdeutschen Literaturszene. Man kennt sie auch vom Radio und Theater. Sie hat sich intensiv mit Joachim Mähl befasst und interpretiert ihn mit der gleichen Liebe zur plattdeutschen Muttersprache, die auch ihm zu eigen war.

 

Joachim Mähl wurde 1827 als Sohn eines Milchbauern im holsteinischen Niendorf bei Hamburg geboren, hinein in überaus spannendes Jahrhundert. Er war begabt, erhielt eine gute Schul-Bildung und wurde Lehrer und Rektor im Holsteinischen, wirkte hauptsächlich in Reinfeld (dort hat man eine Schule nach ihm benannt) und Segeberg. Er war ein guter Pädagoge und wusste, wie man Kinder anspricht, wenn man ihr Vertrauen gewinnen wollte: Nämlich auf Platt, das sie ja alle sprachen. Und ganz sicher wollte er in diesem Jahrhundert der großen Umwälzungen vor dem Ersten Weltkrieg mit der plattdeutschen Sprache Heimat und Vertrautsein erhalten. Er schrieb viele kleine und große Geschichten, die in kleinen und großen Büchern in großen Auflagen verkauft wurden. Darin spielt sein Niendorf eine große Rolle. Er übersetzt Goethes Reineke Fuchs ins Plattdeutsche als auch Cervantes Don Quichote und wird damit sehr bekannt. 1909 ist er gestorben.

Silke Frakstein erhielt viel Beifall für ihre Lesung. Sie hat Joachim Mähl bereits vor einiger Zeit mit ihrer hervorragend gesprochenen CD Reineke Voss ein besonderes literarisches Denkmal gesetzt. (ISBN 3-937157-05-0; www.frakstein.de) Silke Frakstein erhielt viel Beifall für ihre Lesung. Sie hat Joachim Mähl bereits vor einiger Zeit mit ihrer hervorragend gesprochenen CD Reineke Voss ein besonderes literarisches Denkmal gesetzt. (ISBN 3-937157-05-0; www.frakstein.de)

„Wenn wir die Geschichte unserer ehemaligen Dörfer vermitteln wollen, müssen wir uns bewusst machen, dass wir hier auf ländlichem, niederdeutschen Boden stehen. Hier wurde bis zum Zweiten Weltkrieg und darüber hinaus in nahezu jeder Familie Plattdeutsch gesprochen“, sagte Ingelor Schmidt in ihrer Begrüßungsansprache.

 

Das Forum Kollau wird diese vom Publikum sehr begrüßte Veranstaltung wiederholen.

 

Fotos: Wolfgang Hertwig

 

Sonntagsspaziergang

Historie und viel Grün: Das Niendorfer Gehege

Nach und nach trafen etwa 50 Sonntagsspaziergänger an der Niendorfer Kirche am Markt ein, eine der wenigen erhaltenen spätbarocken Kirchen Hamburgs. Sie wird in drei Jahren den 250. Geburtstag feiern. Nach und nach trafen etwa 50 Sonntagsspaziergänger an der Niendorfer Kirche am Markt ein, eine der wenigen erhaltenen spätbarocken Kirchen Hamburgs. Sie wird in drei Jahren den 250. Geburtstag feiern.

9.10.2016 – Das Niendorfer Gehege  ist auf eine besondere Weise entstanden: Nach dem Zweiten Weltkrieg kaufte die Hansestadt Hamburg  nach und nach die großen Parks, die teilweise auch landwirtschaftlich bis in die 1950er-Jahre  hinein genutzt wurden, auf. Die historischen Villen – heute fast alle in Privatbesitz – zeugen von der Landlust betuchter Hamburger Familien, die Ende des 19. Jahrhunderts gern in die Sommerfrische vor den Toren der Stadt zogen. Heute dient das rund 150 Hektar große Gelände als Naherholungsgebiet, das sich vor allem auch von jungen Familien großer Beliebtheit erfreut.

 

Zum Tag der Hamburger Geschichtswerkstätten führte das Forum Kollau gemeinsam mit Pro Niendorfer Gehege durch den herbstlichen Wald. Start war an der Niendorfer Kirche, die mit ihren fast 250 Jahren ein geliebtes Wahrzeichen im Stadtteil ist. Joachim Christophersen, ehrenamtlich engagiert in der Gemeinde, und Hans- Joachim Jürs beschrieben die letzten Renovierungsarbeiten und die neue Beleuchtung innen und außen, Klaus-Peter Heße berichtet von seinen Recherchen über die Bau- und Pastorengeschichte.

Die Tafel erinnert an den Standort der Villa, die Baron von Berenberg-Gossler 1934 abreißen ließ, um sie einer Nutzung durch NS-Organe zu entziehen. (Foto W. Hertwig) Die Tafel erinnert an den Standort der Villa, die Baron von Berenberg-Gossler 1934 abreißen ließ, um sie einer Nutzung durch NS-Organe zu entziehen. (Foto W. Hertwig)

Über den Berenberg-Gossler-Gedenkort, den das Forum Kollau zusammen mit dem Verein Pro Niendorfer Gehege 2016 errichtet hat, zogen die Spaziergänger weiter Richtung Damwild-Gehege. Förster Sven Wurster erteilte unterwegs erstklassigen Baumkunde-Unterricht: Außer den heimischen alten Bäumen ist das Gehege reich an importierten Bäumen, die um die vorige Jahrhundertwende in die Landschaftsparks der Villen gepflanzt wurden „Man muss sich das Gehege weniger 'waldreich' vorstellen als es sich heute zeigt“ sagte Wurster. „Von der Berenberg-Gossler Villa konnte man in der Ferne die Türme Hamburgs erkennen." 

Das Damwild, das im Freigehege ein schönes Leben führt und die Freude der Besucher ist, kommt bei Wurster nicht zur kurz: Bald beginnt die Brunftzeit und die Forum Kollau-Spaziergänger wissen jetzt gut Bescheid über das Familienleben von Hirsch, Reh und Kitz.

Im Park der Merck`schen Villa (die gerade von der Til-Schweiger-Familie an einen Medienunternehmer verkauft wurde) war von Herwyn Ehlers die Geschichte der „Grotte“ zu erfahren: Die gewaltige Findlinge wurden zur Dekoration von Parkbesitzer Merck nach Niendorf verholt, als sie beim Bau des Atlantic Hotels zum Vorschein kamen. Von der Innenstadt mit Pferd und Wagen gewiss eine nicht ganz einfache Angelegenheit – aber sie sind heute noch ein dekorativer Ort zum Staunen.

Für uns war das neu angelegte Biotop, das sich seit zwei Jahren prächtig entwickelt, kurz zugänglich. Für uns war das neu angelegte Biotop, das sich seit zwei Jahren prächtig entwickelt, kurz zugänglich.

Das Gehege wurde in den letzten drei Jahren erheblich aufgewertet: Die Baracken auf dem Gelände der ehemaligen Hachfeld-Villa (im Krieg zerstört) wurden entfernt, ein neues Biotop entwickelt sich dort gut, viele Wege sind auch zu nassen Jahreszeiten leichter begehbar geworden. Der Spielplatz, Endpunkt des Spaziergangs, wurde naturnah modernisiert und erfreut sich zu jeder Tageszeit großer Beliebtheit.

 

Weitere interessante Details über die Historie des Niendorfer Geheges sowie die dazu gehörigen Bildstrecken finden Sie in den Berichten unserer vorhergegangenen Sparziergänge (unter Aktuell > Berichte 2014/2015/2016).

 

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Sonntagsspaziergang

... zur Wiege von Schnelsen

Auf dem Gelände des militärischen Nachrichtenparks Auf dem Gelände des militärischen Nachrichtenparks

25.09.2016 - Ein strahlend blauer Himmel und angenehme Temperaturen bildeten den äußeren Rahmen für ca. vierzig gutgelaunte Menschen aus Schnelsen und Umgebung, die gemeinsam mit Klaus-Peter Heße vom Forum Kollau „die Wiege von Schnelsen“ suchen wollten. Auf fast alpinem Niveau - die Schnelser Höhe erreicht immerhin 20,7 m über NN -  führte der Spaziergang über das Gebiet des ehemaligen militärischen Nachrichtenparks, der hier 1917 auf  vorher landwirtschaftlich genutztem Boden angelegt wurde und bis 1920 bestand. Im Laufe der vergangenen 100 Jahre hat dieses 20 ha große Gelände eine vielfältige Nutzung und Entwicklung erfahren.

Hier endete die Straßenbahn und der Kiosk war ein beliebter Treffpunkt, sozusagen eine „Nachrichtenbörse“. Foto: Axel Thiemann Hier endete die Straßenbahn und der Kiosk war ein beliebter Treffpunkt, sozusagen eine „Nachrichtenbörse“. Foto: Axel Thiemann

So erfuhren die Teilnehmer des Sonntagsspazierganges bei den ersten beiden Haltepunkten von der Wendeschleife der Straßenbahn, die hier nahe der Endhaltestelle für die Linie 22 bis 1978 bestand, und von der ersten Siedlung der Schiffszimmerer Baugenossenschaft, die zwischen 1953 und 1956 gebaut wurde.

Die Schiffszimmerersiedlung entstand in den frühen 1950er-Jahren. Die Schiffszimmerersiedlung entstand in den frühen 1950er-Jahren.

Besonderes Interesse erregte dabei ein Wohnhaus innerhalb der Siedlung, in dem von 1953 bis 1976 die Schnelsener Polizeiwache untergebracht war und deren Zelle für Übeltäter heute als normaler Kellerraum genutzt wird. Nachdem Schnelsen 1920 den Nachrichtenpark erworben hatte, wurden Teile des Geländes verschiedenen Nutzungen zugeführt. Die Schule Frohmestraße erhielt eine Fläche für die Anlage eines Schulsportplatzes und der Altonaer Radsportverein konnte eine Radrennbahn anlegen.

Das Ehrenmal am Kriegerdankweg wurde 1966 neu gestaltet. Das Ehrenmal am Kriegerdankweg wurde 1966 neu gestaltet.
Im Turm der Kirche musste auf Anweisung der britischen Besatzungsmacht eine Wohnung für den Küster eingerichtet werden, da Wohnraum noch knapp war. Im Turm der Kirche musste auf Anweisung der britischen Besatzungsmacht eine Wohnung für den Küster eingerichtet werden, da Wohnraum noch knapp war.

Die Anlage der im Jahr 1924 erbauten und 1966 erneuerten Gedenkstätte für die  im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallenen Schnelsener, verdiente im Laufe des Spazierganges besondere Beachtung,  ebenso wie die 1949 unter Mithilfe der Schnelsener Gemeinde im Kriegerdankweg erbaute und geweihte Adventskirche.

 

An der Ecke Holsteiner Chaussee / Oldesloer Straße erreichte die Gruppe endlich den Punkt, der dem Spaziergang seinen Namen gegeben hatte: „Die Wiege von Schnelsen“.

 

Hier im Umfeld soll der Ritter Normannus von Herslo im 13. Jahrhundert von seinem Herrn, dem Grafen von Barmstedt, Ländereien zur Bewirtschaftung erhalten haben. Seine Erben wurden 1347 als abgabenpflichtig in den Amtseinkünften der Eppendorfer Kirche aufgeführt und der Name Snelsen erstmalig urkundlich erwähnt. Die letzten Besitzer des Hofes waren der Landwirt Sottorf und ab 1905 der Pferdehändler Gerdes. 1922 brannte der Hof vollständig ab.

Weitere wichtige Entwicklungsschritte Schnelsens nahmen hier ihren Anfang. Mit dem Bau der mautpflichtigen Kunststraße von Altona nach Kiel im Jahr 1832 und einer weiteren Straße von Lübeck bis zur Einmündung hier in die Kieler Straße im Jahre 1841, bezweckten die dänischen Könige die Umleitung der Warenverkehre um Hamburg herum zu ihrem wirtschaftlichen Vorteil. Schnelsen profitierte von der nun besseren Anbindung an Altona und die holsteinischen Nachbarn. Entlang der Oldesloer Straße stehen noch heute die gepflegten Villen aus der Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts: Schnelsen wurde damals wegen der verbesserten Verkehrsanbindung durch Straßenbahn und AKN  als Wohnort für Hamburger Bürger attraktiv.

Geburtsstätte des Otto-Konzerns: Die Baracke am Riekbornweg Geburtsstätte des Otto-Konzerns: Die Baracke am Riekbornweg

Der letzte Punkt des Spazierganges zeigte die noch bestehen Baracken des militärischen Nachrichtenparks am Riekbornweg. Man sieht den unscheinbaren Gebäuden nicht an, dass hier der Grundstein für einen heute weltweit operierenden Versandhauskonzern gelegt wurde. Werner Otto begann hier 1948 mit der Fabrikation von Schuhen und baute einen Versandhandel für Kleidung und Haushaltsgegenstände auf.


Fotos: Axel Thiemann

Bäuerliches Leben um 1900

Fast wie auf dem Lande

Leben wie früher vor 100 Jahren - ein Besuch im Museumsdorf Volksdorf veranschaulicht das dörfliche Leben.         Foto: Wolfgang Hertwig Leben wie früher vor 100 Jahren - ein Besuch im Museumsdorf Volksdorf veranschaulicht das dörfliche Leben. Foto: Wolfgang Hertwig

10.09.2016 - Das wunderschöne Spätsommerwetter machte den Ausflug ins Museumsdorf Volksdorf am Sonnabend zu einem Ferientag für rund 15 Ausflügler vom Forum Kollau. Die Lebenswelt der Bauern um 1900 war nicht nur zu sehen, auch die Tiere und der Duft nach Wiesen, Getreide, Stall trugen dazu bei, sich mal ein realistisches Bild über den Alltag vor hundert Jahren zu verschaffen. Nicht alles war Idylle… Ein Dank an die Museumsleute, besonders an Hans-Ludwig Kruse, der uns sehr fachkundig alles erklärte und an den „Bäcker“ Frank Christl, der einen erstklassigen Butterkuchen (mit und ohne Kirschen) nach altem Rezept und im alten Backofen gebacken servierte.
Beim Besuch im Eidelstedter Heimatmuseum im Juli war das Leben in den kleinbürgerlichen Haushalten um die Jahrhundertwende zu entdecken, mit dem Besuch des Museumsdorfes Volksdorf wurde das Landleben thematisiert. Ende November schließt sich der Kreis der holsteinischen Vergangenheit der Dörfer Lokstedt, Niendorf und Schnelsen mit einem Abend, der dem Heimatdichter Joachim Mähl gewidmet ist. Auch ihn gilt es neu zu entdecken.

 

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Zu Gast bei den Nachbarn in Eidelstedt

Noch einmal Kind sein …

17.07.2016 - „Kindheit früher und heute“ hieß eine kleine, mit Liebe zusammengestellte Sonderausstellung des Heimatmuseums im Eidelstedter Bürgerhaus. Zur Finissage war das Forum Kollau mit rund 20 neugierigen Besuchern zu Gast. Wie erwartet kam es zu interessanten Gesprächen, als Wolfgang Wallach die Exponate vorgestellt hatte und teilweise ihre sehr anrührenden Geschichten erzählte. Das Spielzeug wurde hauptsächlich von Eidelstedter Bürgern zur Verfügung gestellt und stammte aus der Vor- und Nachkriegszeit bis in die 1970er Jahre hinein. Nachzulesen sind die Geschichten im Ausstellungskatalog, der unter www.ekulturell.de/museum/geschichtswerkstatt/#c306 zu finden ist.

 

Fotos: Ingelor Schmidt, Joerg Kilian, Siegbert Rubsch

Forum Kollau gab Unterricht in der Schule Sachsenweg

Niendorf lernen!

Die Klasse 3a der Schule Sachsenweg lernte zuerst viele interessante Fakten über Niendorf, bevor es auf Exkursion über den Tibarg und in die Kirche am Marktplatz ging Die Klasse 3a der Schule Sachsenweg lernte zuerst viele interessante Fakten über Niendorf, bevor es auf Exkursion über den Tibarg und in die Kirche am Marktplatz ging

12.07.2016 - Auf Einladung der Schule Sachsenweg stand der ehemalige Schulleiter der Schule Anna-Susanna-Stieg Siegbert Rubsch, Schriftführer und Gründungsvorstand des Forum Kollau, sieben Jahre nach seiner Pensionierung einen Vormittag lang wieder vor einer Klasse, und zwar zu einem heimatkundlichen Projekt in einer dritten Klasse in der Grundschule Sachsenweg. Prompt wurde er mit den Unwägbarkeiten des schulischen Alltags konfrontiert.

Nachdem er - aus der pädagogischen „Kreidezeit“ stammend - sich mit der Funktion des Smartboards vertraut gemacht und eine entsprechende Powerpoint-Präsentation vorbereitet hatte, ereilte ihn am späten Vorabend der Anruf der begleitenden Lehrerin, Frau Steinbrecher, dass durch einen Kabelschaden der gesamte Strom in der Schule ausgefallen sei und bis zum Mittag des Unterrichtstages nicht mit einer Reparatur zu rechnen sei. Also in einer Nachtschicht Kopien für herkömmlichen Unterricht hergestellt und mit diesen auch am nächsten Tag das Projekt gestartet. Natürlich war der Strom eine Viertelstunde nach Unterrichtsbeginn wieder da und Plan A konnte doch noch durchgezogen werden. Abgesehen von dieser Herausforderung an Spontaneität und Flexibilität hatte er einen erfolgreichen Vormittag und die Kinder offensichtlich auch. 

Im ersten Teil des Projektes ging es um die Straßennamen des Einzugsgebietes der Schule Sachsenweg. Die Kinder lernten, dass die meisten Straßennamen drei Gruppen zuzuordnen sind und sie konnten zwei auch benennen ( „Germanenstämme“ und „So war es früher hier“), bei der dritten Kategorie ( „Widerstandskämpfer in der Nazi-Zeit“ ) musste Siegbert Rubsch in kindgerechter Form helfen.

Im zweiten Teil ging es um die Wohnorte der Kinder und ihre Schulwege. Die Wohnorte einiger Kinder und ihre Schulwege wurden in eine Lernkarte von Niendorf-Nord als Punkte hineinprojiziert und die Kinder mussten erkennen, wer dort wohnte.
Im vierten Teil konnte die Länge der Schulwege einiger Kinder mit Hilfe von Google Maps ermittelt werden.

Im vierten Teil schließlich bekamen die Kinder in Zweiergruppen verschiedene Puzzles von Gebäuden und markanten Stellen des Stadtteils, die Siegbert Rubsch vorbereitet hatte. Alle konnten die Objekte erkennen, viele Gruppen lösten mehrere Puzzles. In einer abschließenden Powerpoint-Folie mussten die Kinder auf einem Umgebungsplan erkennen, welches Objekt wo lag.

Der Niendorfer Marktplatz sah ja mal ganz anders aus! Die Schautafel von Forum Kollau erzählt eine lange Geschichte in Bildern Der Niendorfer Marktplatz sah ja mal ganz anders aus! Die Schautafel von Forum Kollau erzählt eine lange Geschichte in Bildern

Nach der großen Schulhofpause ging die Klasse dann zur U-Bahn und fuhr zum Niendorfer Markt. Hier erfolgten kurze Erklärungen zur Doppeleiche und zum Gedenkstein „Up ewig ungedeelt“ sowie zur symbolischen Bedeutung des Pflug-Denkmals und zur Geschichte des Tibarghofs. An der Schautafel des Forum Kollau am Südende des Tibargs erfuhren die Kinder, wie es früher auf dem Niendorfer Markt ausgesehen hatte und lernten, dass die ungewöhnliche Durchfahrt durch den Hammerblock bis 1978 der Straßenbahnkehre gedient hat. Auf dem Tibarg gesellten sich auch Ingelor Schmidt und Horst Moldenhauer zur Klasse.

In der „Spendenbox“ vor der Kirche wurde einst für „verschämte Arme“ gesammelt In der „Spendenbox“ vor der Kirche wurde einst für „verschämte Arme“ gesammelt

Den Abschluss bildete dann der Besuch der Kirche am Niendorfer Markt. Pastor Birkner ließ es sich nicht nehmen, den Kindern persönlich die Kirche zu erklären: die Gründe für ihren Bau, die besondere achteckige Form, Altar, Kanzel, Orgel, Taufengel sowie die Figuren des Johannes und des Moses.

Während eine Gruppe nun in der Kirche Horst Moldenhauer nach Erlebnissen aus seiner Jugend in Niendorf löcherte, kletterte die andere mit Pastor Birkner, Ingelor Schmidt und Siegbert Rubsch über die Empore in den Dachstuhl der Kirche und jeder durfte von ganz oben einen Blick auf den Tibarg und in Richtung Innenstadt werfen. Das fanden alle total cool!

Der Taufengel mal in Augenhöhe – auch das war ein Höhepunkt der erlebnisreichen Niendorfer Schulstunde Der Taufengel mal in Augenhöhe – auch das war ein Höhepunkt der erlebnisreichen Niendorfer Schulstunde

Nach dem Gruppenwechsel kurbelte Pastor Birkner als Belohnung für die wissbegierigen Kinder noch den Taufengel herunter und alle Kinder stellten sich zu einem Gruppenbild um ihn herum. 

Pünktlich um 13 Uhr waren die Kinder wieder in der Schule,  vielleicht mit einem vermehrten Wissen über ihren Stadtteil, ganz vielleicht sogar angesteckt, ihren Eltern beim nächsten Spaziergang etwas über das Gelernte zu erzählen und ganz, ganz vielleicht sogar animiert, mehr über ihren Stadtteil wissen zu wollen.

Sonntagsspaziergang

… mit Geschichten des Ohmoors

Mehrere Hektar des Ohemooores stehen als Naturschutzgebiet unter dem direkten Schutz unsers Partners, der Loki-Schmidt-Stiftung (Foto Joerg Kilian) Mehrere Hektar des Ohemooores stehen als Naturschutzgebiet unter dem direkten Schutz unsers Partners, der Loki-Schmidt-Stiftung (Foto Joerg Kilian)

26.06.2016 – Bei unerwartet strahlendem Sonnenschein konnten wir fast 60 wetterfest gerüstete Teilnehmer zu unserem Spaziergang durchs Ohmoor begrüßen. Diesmal bekamen die bewährten Naturführer Dr. Ann-Carolin Meyer und Peter Kutschaelis der Loki-Schmidt-Stiftung, lokalhistorische Unterstützung von Ulli Kammigan und Klaus-Peter Heße, die detailreich über die Besiedelungs- und Zerstörungsgeschichte berichteten. In zwei – immer noch sehr großen Gruppen ging es – auf streckenweise doch recht aufgeweichten Wegen durchs Naturschutzgebiet, ein kleines Restmoor des ehemals ganz Hamburg umschließenden Moorgürtels.
Als nach den beiden letzten Eiszeiten wärmeres Klima folgte, schmolzen die gewaltigen Eismassen langsam ab und hinterließen eine Landschaft, geprägt von Mulden und sandigen Geestrücken. In den nassen Mulden bildete sich Biomasse, die im Laufe von Jahrtausenden versank und eine undurchlässige Grundlage zur Entstehung der Moore bildete.
Am Rande der Moore entstanden in der Mittelsteinzeit erste Siedlungen, im 14. Jahrhundert erste Dörfer mit steigendem Bedarf für Landwirtschaft, Viehhaltung und Energie. Die Menschen hatten Torf als billigen Brennstoff entdeckt. Das "Braune Gold" musste nur in den umliegenden Mooren abgebaut – "gestochen" – werden. Ein wahrer Torfrausch setzte ein.
Die Verkoppelungskarte aus dem Jahre 1788 zeigt bereits eine starke Parzellierung mit Hunderten von Eigentümern aus der ganzen Region.

Verkoppelungskarte Hamburg-Niendorf ca. 1788 aufbereitet von Klaus-Peter Heße und Joerg Kilian mit einem Überleger der ungefähren Lage heutiger Straßenzüge und Orte (PDF, 2,2 MB) Verkoppelungskarte Hamburg-Niendorf ca. 1788 aufbereitet von Klaus-Peter Heße und Joerg Kilian mit einem Überleger der ungefähren Lage heutiger Straßenzüge und Orte (PDF, 2,2 MB) Zum Herunterladen auf das Bild klicken! | © 2016 Forum Kollau

In der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg war das Moor durch den Abbau bereits weitestgehend zerstört und wild zersiedelt. Die geplante Bodenreform wurde jedoch wegen des Krieges nicht mehr umgesetzt. In den bitteren Nachkriegsjahren wurde die Selbstversorgung mit Torf wieder freigegeben; in einer großangelegten Notstandsmaßnahme wurde der Resttorf untergepflügt, um vermeindlich kultivierbares Ackerland zu erhalten.
Beim Bau des Krohnsstiegtunnels in den 1960er Jahren führte die Absenkung des Grundwasserspiegels in großen Teilen des Moores zu einer ungezügelten Vermehrung der Birke, einer Pionierpflanze, die keine "nassen Füße" mag.
Unsere Naturführer machten uns mit den typischen Moorpflanzen vertraut, die hier alle auf kleinstem Raum zu finden sind: Rundblättriger Sonnentau, Weißer Schnabelried, Glockenheide, Rosmarinheide, Blaubeeren, zwei Arten Wollgras, Moosbeeren und dem Gagelstrauch. Von den nicht minder interessanten Reptilien des Moores: den Waldeidechsen, Blindschleichen, Ringelnattern und Kreuzottern gab es jedoch nur spannende Geschichten zu hören und Bilder zu schauen. 

Karte und Stationen des Stadtteilrundgangs durch das Ohmoor am 26.06.2016 mit Dr. Ann-Carolin Meyer und Peter Kutschaelis der Loki-Schmidt-Stiftung, sowie Ulli Kammigan und Klaus-Peter Heße von Forum Karte und Stationen des Stadtteilrundgangs durch das Ohmoor am 26.06.2016 mit Dr. Ann-Carolin Meyer und Peter Kutschaelis der Loki-Schmidt-Stiftung, sowie Ulli Kammigan und Klaus-Peter Heße von Forum Kollau | Für PDF (456 KB) bitte klicken!

Auf den fünf-sechs Stationen des etwa drei Kilometer langen, abwechslungsreichen Rundkurses gibt es jedes Mal etwas Neues zu hören und zu entdecken. Diesmal beispielweise die kürzlich aufgestellten Infotafeln unseres Partners, der Loki-Schmidt-Stiftung. Die gibt es auf unserer Fotostrecke zu sehen … ergänzende Informationen bei unserem Ohmoor-Spaziergang vom Herbst 2015.

 

Text Klaus-Peter Hesse, Joerg Kilian

Sonntagsspaziergang

… durch die verwunschenen Lokstedter Parks

Der Spaziergang begann an Lokstedts schönstem Punkt im Amsinck Park Der Spaziergang begann an Lokstedts schönstem Punkt im Amsinck Park

29.05.2016 - Die Amsinck Villa und ihr wunderbarer Park waren die erste Anlaufstation für die rund 40 Spaziergänger, die den Lokstedter Park-Sommer einmal von der historischen Seite genießen wollten. Die Villa, ein Martin-Haller-Bau von 1870 für den Senator Amsinck, wird immer noch – mit viel Liebe zum Detail -  renoviert und soll einmal als Kindertagesstätte dienen. Herwyn Ehlers wies besonders auf die alten Baumbestände hin, die der Gartenarchitekt F. J. Christian Jürgens für seine im englischen Stil angelegte Parkanlage eingeplant hat. 
Wenige Schritte weiter liegt das Rotklinker–Ensemble der Wohnanlage Heimat, die Architekten Ernst und Eduard Theil um 1929 für eine Baugenossenschaft vorbildlich errichten. Sehenswert der lauschige Innenhof mit Garten und Brunnen. Nebenan befand sich einmal das riesige Areal des „Dirt Track“, einer Motocross-Bahn. Hier boxte und gewann Max Schmeling vor 80 Jahren und über 100 000 Fans nahmen live regen Anteil. 
Wenig bekannt ist nebenan die Villa des Hamburger Bürgermeisters Burchard, ein schönes Beispiel für großbürgerliche Wohnkultur.
Die Heise`sche Villa, vom Oddernskamp her zu erreichen, lag einmal in einem riesigen Gartenpark, bereits 1819 als Sommerlandsitz vom Advokaten Kellinghusen angelegt. Viel später war hier die Hagenbeck-Familie ansässig. Die Villa wurde restauriert und liegt unter alten Bäumen so verborgen, dass man die unmittelbar dahinter stehenden Neubauten der 1970er- Jahre (inzwischen auch renoviert) kaum wahrnimmt. 
Zum Lieblingsspaziergang der Lokstedter zwischen Feldhoopstücken und Rütersbarg gehören die Von-Eicken-Villa und ihr Park mitsamt Ententeich. Bereits 1819 angelegt, ließ der reiche Tabakfabrikant von Eicken hundert Jahre später hier sein herrschaftliches Wohnhaus bauen und auch die Gartenanlage neu gestalten; die Schillingsbek wurde extra durch den Park umgeleitet.
Von hier aus schlugen sich die Spaziergänger durch die letzte Lokstedter Wildnis Richtung Heckenrosenweg durch. Bach (mit Mücken!), weite Wiesen, sehr hohes Gras: Man bekam einen Eindruck von der Weitläufigkeit des längst verschwunden Kollauer Hofes, der bereits 1202 urkundlich erwähnt wird. Der Obelisk, zu dem ein kürzlich schön gepflasterter Weg von der Kollaustraße her führt, stammt aus der großen Zeit des Anwesens; bei der Familie von Axen traf sich Ende des 18. Jahrhunderts die Hamburger Gesellschaft und gondelte auf den Teichen des wasserreichen Gebietes vergnüglich herum. Der früh verstorbenen Tochter Catharina wurde der dekorative Sandsteinobelisk 1799 zum Gedenken errichtet. Leider ist dieses bei uns rare Zeugnis einer spannenden Hamburger Epoche mal wieder von Sprayern heimgesucht worden.
An der 175 Jahre alten Wäscherei Vollmer und am Nur Hier-Brunnen vorbei erklomm der lange Zug der Spaziergänger den Hügel, auf dem sich bis 1981 die Villa Willink befand, die nach langem Leerstand abgerissen wurde. Das Haus, inmitten eines Areals von ca. 18 Hektar, war 1860 von Carl H. Wildling aus der gleichnamigen Handelsfamilie gebaut worden. Der hatte dafür den Vorgängerbau,das Landhaus eines Mutzenbechers, abreißen lassen, weil es ihm zu altmodisch und unkomfortabel war. Die Mutzenbechers hatten das Grundstück bereits 1823 in Besitz. Der Hügel, der „Rütersberg“, soll in sehr alten, heidnischen Zeiten eine Kultstätte gewesen sein; darauf weist der Straßenname Beim Opferstein hin. Der Hügel darf nicht wieder bebaut werden. Auf seiner Kuppe kann man sehr schön sehen, wie die Natur sich ohne großes Zögern die Reste eines Bauwerks zurückholt…
Zum Hagendeel war es nicht mehr weit. Hier genoss man im Lüttge -Garten bei Kaffee und Kuchen zum erholsamen Ausklang die wundervollen Rhododendren in all ihrer vielfältigen Blüte. Der Gartenarchitekt Gustav Lüttge (1904 – 1968) war ein Liebhaber der Rhododendren. Er hatte dieses Kleinod in den 1950er Jahren angelegt und sich ein Haus darin gebaut. Die „Freunde des Lüttge Gartens“ pflegen sein Erbe und veranstalten darin auch kulturelle Events. ( www.luettge-garten-hh.de )

 

Foto und Text Ingelor Schmidt

 

Weitere Infos finden Sie unter Berichte 2014:

01.06.2014 „Verwunschene Plätze und Wege im üppigen Grün“.

 

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Sonntagsspaziergang

… durch die Historie des Niendorfer Geheges

Schöner Startpunkt: Die Niendorfer Kirche von 1770 (Foto Joerg Kilian) Schöner Startpunkt: Die Niendorfer Kirche von 1770 (Foto Joerg Kilian)

17.04.2016Das frühlingsfrische Niendorfer Gehege zeigte sich von seinen schönsten Seiten, als sich über 90 Teilnehmer des beliebten Sonntagsspaziergangs mit dem Forum Kollau und Pro Niendorfer Gehege  auf historische Spurensuche machten. Unter fachkundiger Leitung von Herwyn Ehlers (Landschaftsarchitekt), Förster Sven Wurster und Hans Joachim Jürs (Architekt) war viel zu erfahren über die Entstehungsgeschichte des Geheges, das zu den schönsten Naherholungsgebieten für fünf Stadtteile gehört.

 

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es allgemein zugänglich, als die Hansestadt Hamburg die großen Parkanlagen erwarb, die die Sommerlandsitze hanseatischer Bankiers und Kaufleute umgaben. Die Villen sind fast alle noch erhalten und erzählen aus einer Zeit, als die Dörfer Lokstedt, Niendorf und Schnelsen noch auf holsteinischem Gebiet lagen. Die Erbauer der Villen im späten 19. Jahrhundert schätzten die frische Luft und ländliche Ruhe gleich vor den Toren der Stadt, die sich nach der Reichsgründung 1871 zu einer Boom Town entwickelt hatte. 

Rundgang Niendorfer Gehege – mit einem Klick auf die Karte, können Sie das Faltblatt des Rundgangs als PDF herunterladen. Rundgang Niendorfer Gehege – mit einem Klick auf die Karte, können Sie das Faltblatt des Rundgangs als PDF herunterladen.

Vom Treffpunkt der Niendorfer Kirche am Markt, eine der wenigen erhaltenen spätbarocken Kirchenbauten Hamburgs, ging es zum neuen Gedenkort der in der frühen Nazi-Zeit verschwundenen Villa der Familie Berenberg-Gossler, zum Spielplatz Bondenwald, zur Merck`schen „Steingrotte“, die ihren Ursprung unter den Hotel Atlantic hatte. Zwischendurch gab es allerhand Wissenswertes über das Verhalten der wunderschönen alten Bäume im Frühling zu erfahren – und man ließ sich von Sven Wursten gern zum Probieren von superzarten Buchenblättchen verleiten.( Schmecken nach Nuss!)

 

Angesteuert wurden des Weiteren  unter regen Gesprächen Merck Villa und das dazu gehörige Gesindehaus, die Brettschneider Villa mit ihrer schöner Halle und zum Schluss das Diakonissenhaus Elim, das mit seinem ebenfalls denkmalgeschützen Garten vom Postpferdehändler Puls als eine der letzten herrschaftlichen Refugien dieser Art vor dem Ersten Weltkrieg errichtet wurde. Hier grüßten die Buschwindröschen zum Abschied.

 

Weitere Details zum Spaziergang sehen und lesen Sie auf der Fotostrecke und unter Aktuelles>Berichte> 27.04.2015  "Vom Jagdschlösschen zum Verlobungshaus".

Sonntagsspaziergang

Rund um Ohl Dörp

Klaus-Peter Heße gibt einen Überblick über den heutigen Rundgang, der durch den alten Dorfkern von Niendorf führt (Foto Joerg Kilian) Klaus-Peter Heße gibt einen Überblick über den heutigen Rundgang, der durch den alten Dorfkern von Niendorf führt (Foto Joerg Kilian)

20.03.2016 - Mehr als 60 Teilnehmer ließen es sich, bei zwar durchweg trockenem , aber eher bewölktem Wetter nicht nehmen, dem Aufruf des Forum Kollau zu einem Sonntagsspaziergang  um das Ohl Dörp zu folgen. Es wurde ein besonders abwechslungsreicher, informativer Spaziergang dank der lebendigen, kenntnisreichen Führung von Klaus-Peter Heße.

 

Es folgt eine kurze Zusammenfassung der einzelnen Stationen des Rundganges.

Rundgang Niendorf "Ohl Dörp" – mit einem Klick auf die Karte, können Sie das Faltblatt des Rundgangs als PDF herunterladen. Rundgang Niendorf "Ohl Dörp" – mit einem Klick auf die Karte, können Sie das Faltblatt des Rundgangs als PDF herunterladen.

Treffpunkt Tibarg: Dieser erhöhte Platz soll in früherer Zeit ein Versammlungs- oder auch Gerichtsplatz der Sachsen gewesen sein. Mit der Umbenennung der „Hauptstraße“ in  „Tibarg“ im Jahr 1948 wird an diesen geschichtlichen Hintergrund erinnert.

 

Station 1, Marktplatz, beim alten Brunnen: Vor dem verheerenden Bombenangriff in der Nacht vom 24./25. Juli 1943 gab es rund um den Niendorfer Marktplatz ein imposantes Ensemble: den Hof der Familie Behrmann, Münsters Gasthof, das alte Schulgebäude, die Kirche, das Pastorat und das Ehrenmal für die Gefallenen des Krieges von 1870/1, die Dorfschmiede, das Haus des Kolonialwarenhändlers Dahms, Eisenwaren Busse, das Bestattungsinstitut Otto Jürs und die Ausflugslokale Bellevue und „zum Bäcker“. Auch zwei Nachkriegs-Eckpunkte kamen zur Sprache, die Straßenbahnkehre mit der Durchfahrt durch den Hammersblock und Cafe Meyer, beide inzwischen auch schon Geschichte.

 

Station 2, Eingang Neuer Friedhof: Auf dem jetzigen Gelände der Friedhofsgärtnerei Tomfort stand die Räucherkate und gegenüber auf dem kleinen Parkplatz am Eingang zur Promenadenstraße die Adamskate.

 

Station 3, Kapelle Neuer Friedhof: Im Umfeld der Kapelle lag vermutlich das Ohl Dörp und – entsprechenden Funden zufolge – eine erste, weitaus ältere Siedlung. 
Als die Kapazität des Alten Niendorfer Friedhofs erschöpft war, wurde der Neue Friedhof dringend gebraucht. 1903 wurde er eingeweiht. Drei Jahre später stiftete John v. Berenberg Gossler Geld für den Bau der Kapelle mit der Auflage, dass sie nach dem Vorbild der Niendorfer Kirche gestaltet werden sollte.

 

Station 4, Künstlerhaus Sootbörn: 1929 wurde das Gebäude als Niendorfer Mittelschule eingeweiht, damals ein bedeutendes Beispiel für die Bauhaus-Epoche, das weit über die Grenzen Hamburgs hinaus Beachtung fand. Nach dem 2. Weltkrieg  als Oberschule genutzt, platzte es wegen sehr großer Schülerzahlen aus allen Nähten. Als der nahe Flughafen Anfang der 60er Jahre erweitert wurde, mussten aus Gründen der Flugsicherung die zwei oberen Stockwerke abgetragen und Bäume gestutzt werden. Die Schule wurde geschlossen, das Gymnasium Bondenwald übernahm die Schüler. Derzeit beherbergt das Gebäude als Künstlerhaus 19 bildnerischen Künstler. Die Teilnehmer durften das Haus besichtigen, für viele war es der erste Besuch im Künstlerhaus. 

 

Station 5, Flugfeld, Aussichtspunkt: Die südliche Verlängerung der Start- und Landebahn 
brachte erhebliche Veränderungen mit sich. Kleingärten verschwanden ebenso wie das Quellbad.

 

Station 6, Robert-Blum-Straße: Die Robert-Blum-Straße, benannt nach einem Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848, hieß früher „Ohl Dörp“. Sie führte bis 1960 geradeaus über das damals noch nicht vorhandene Flugfeld nach Groß-Borstel. An dieser Station  wurden auch der veränderte Verlauf der Tarpenbek und (vom anwesenden Teilnehmer und Autor Joachim Grabbe) die Kette der Grenzsteine angesprochen, die der Dänenkönig im 18. Jahrhundert entlang der Grenze zu Hamburg aufstellen ließ.

 

Station 7, Alwin-Lippert-Weg: Das Haus Nr. 16 hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Die Stationen waren Wohnhaus – Mütterberatungsstelle – Einwohnermeldeamt - Altentagesstätte.


Station 8, Die Promenadenstraße: Dieser von Bäumen gesäumte Weg gehörte zum Lippert’schen Hof und lud ein zum Flanieren und Prominieren. Das Gebiet um die Promenade wurde im Zuge des Neuaufbaus Niendorfs parzelliert und als Bauland ausgewiesen.

 

Station 9, Die Lippert’sche Villa: Diese Villa war schon früher Sommersitz wohlhabender Hamburger Bürger. Auch dieses Gebäude diente im Laufe der Zeit vielen Zwecken: Gemeindeverwaltung, NS-Parteizentrale, Hauswirtschaftsschule und Bauprüfabteilung. Sie befindet sich seit 2011 in Privatbesitz und ist derzeit an die evangelische Kirche vermietet. Auf dem Gelände steht die vermutlich älteste Eiche Norddeutschlands, ca. 500 – 550 Jahre alt.

 

Station 10, Bei der Sumpfzypresse: Am zweiten Naturdenkmal innerhalb eines halben Kilometers endete der Rundgang. Selbst Grundwasserabsenkungen wie z.B. beim Bau des nahen Garstedter Wegs oder der U-Bahn konnten dem Baum keinen dauerhaften Schaden zufügen.

 

Text Siegbert Rubsch

 

Fotostrecke mit Eindrücken des Rundgangs

Feierstunde

Fünfter Geburtstag mit viel Geschichte

Rainer Funke überreicht Clarita Gräfin von Bernstorff einen Frühlingsgruß, als Dank für ihre Unterstützung bei der Entstehung des Gedenkortes Berenberg-Gossler Rainer Funke überreicht Clarita Gräfin von Bernstorff einen Frühlingsgruß, als Dank für ihre Unterstützung bei der Entstehung des Gedenkortes Berenberg-Gossler

14.02.2016Nicht gerade Geburtstagswetter, aber trotz Schneeregens und Temperaturen eben über dem Gefrierpunkt zog es über 80 Gäste zur Geburtstagsfeier und Einweihung des Gedenkortes Berenberg-Gossler im Niendorfer Gehege. Besonders gefreut hat sich das Forum Kollau über die Teilnahme von der Familie des Freiherrn Cornelius von Berenberg-Gossler, die heute noch mit Niendorf eng verbunden ist. 

Hier stand einmal ein schöner Landsitz: Eine Gedenktafel und eine Aussichtsplattform erinnern an einen bemerkenswerten Menschen Hier stand einmal ein schöner Landsitz: Eine Gedenktafel und eine Aussichtsplattform erinnern an einen bemerkenswerten Menschen

1934 ließ der Freiherr den hiesigen Landsitz der Familie innerhalb kurzer Zeit abreißen, um eine Nutzung durch NS-Organisationen zu verhindern. Bereits zu dieser Zeit eine beherzte Tat von großer Weitsicht: Er hatte den Charakter des Regimes früh durchschaut. In den Folgejahren versuchte er oft mit Erfolg jüdischen Freunden zu helfen ins Ausland zu entkommen, wenn die Deportation in die Vernichtungslager drohte. Er verabscheute insbesondere die Kirchenpolitik der Nazis und ließ sich auch von den örtlichen NS-Leuten nicht beeindrucken. Seit 1913 führte der Freiherr  bis zu seinem Tod 1953 sorgfältig Tagebuch, heute eine Quelle zur Zeitgeschichte. Rainer Funke sagte in seiner Begrüßungsansprache: „Man wünscht sich in den heutigen Zeiten, bei bestimmten Entwicklungen in Europa, eine Stimme wie die seine zu hören“.

Faltblatt herausgegeben anlässlich der Feierstunde zur Einweihung des Gedenkorts Berenberg-Gossler im Niendorfer Gehege am 14. Februar 2016 Faltblatt herausgegeben anlässlich der Feierstunde zur Einweihung des Gedenkorts Berenberg-Gossler im Niendorfer Gehege am 14. Februar 2016

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Villa und Park der Berenberg-Gosslers, angelegt um 1880 war eines der schönsten Ensembles des Niendorfer Geheges. Große Teile davon wurden in der Nachkriegszeit von der Stadt erworben und so entstand mit weiteren Ankäufen von anderen ähnlichen Grundstücken nach und nach das beliebte Naherholungsgebiet für die umliegenden Stadtteile. Erst in den letzten Jahren – und darauf ist das Forum Kollau ein bisschen stolz – hat sich ein neues Bewusstsein für die Historie des Geheges gebildet.

 

Der Förster Sven Wurster – seit 2007 für das Gehege zuständig – fragte als Erster bei Clarita von Bernstorff nach, was es eigentlich mit der großen Wiese hinter der Niendorfer Kirche und der verschwundenen Villa auf sich habe. Zusammen mit dem Landschaftsarchitekten Herwyn Ehlers, der bei Pro Niendorfer Gehege e.V. und dem Forum Kollau engagiert ist, entstand nun die Idee zur Schaffung des Gedenkortes, der im Juni 2015 fertig wurde. Die schöne Tafel, gestaltet von Grafikdesigner Joerg Kilian, wird mit großem Interesse von den Spaziergängern wahrgenommen.

 

1965 fasste der Sohn des Freiherrn, Heinrich von Berenberg-Gossler, seine Hoffnung beim Verkauf zusammen: „Der Park wurde für die Familie eine Tradition, von der sie sich sehr schwer getrennt hat. Sie hofft, dass die schöne Landschaft mit ihrem herrlichen Baumbestand im Sinne derjenigen, die sie schufen und die hier lebten und im Sinne ihres lieben alten Niendorf weiterhin in Schönheit verwaltet wird.“ 

 

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